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Heute ... : Ich brauche ein Auto

von malbrecht am 17.05.2006 12:38 (1444 Aufrufe)
Mein Passat wurde 1988 gebaut – und er fährt noch immer. 6 Liter Diesel brauche ich für 100km auf verschiedensten Straßen (Ortschaft, Landstraße, Autobahn) – und leider mittlerweile knapp 1 Liter Öl dazu. Das stinkt nicht nur mir.
Ich würde gerne auf Pflanzenöl umrüsten – nicht auf den RME-Unsinn, der in der Produktion endlos Energie verbraucht und mit Giftstoffen vollgepumpt wird, damit die edlen „modernen“ Motoren nicht verstopfen, sondern auf Salatöl. Das kann man sich in einen großen Tank in den Garten stellen und, wenn man nicht gerade das Auto damit betankt, als Zapfsäule für den Salat nutzen. Außerdem kostet ein Liter Pflanzenöl weniger als 50 Cent – verglichen mit 1,15€ für den Liter Diesel ein Schnäppchen.
Der Umrüstsatz für mein Auto kostet rund 500,-€ - und wenn der Motor noch etwas fitter wäre, die Karosserie etwas weniger angerostet, ich wäre schon unterwegs zur Werkstatt.

Schade. Seit Jahren erhalte ich Angebote von Mercedes für ihre tollen neuen Modelle. Silbrig glänzen Prospekt und Blech, Verbrauchszahlen findet man nicht oder nur angedeutet (z.B. „Verbrauch ab 7L …“).
Ich habe meine Anforderungen formuliert: Platz für den Fahrer wie im Passat von „damals“, Verbrauch um die 6 Liter, möglichst mit Pflanzenöl (siehe oben: Nicht RME!) zu fahren, alternative Kraftstoffe zu den fossilen Brennstoffen solle man mir gerne vorschlagen.
Erst hieß es, ich erhielte Informationen – die nicht kamen. Dann ging ich zu einem Händler, der mich zu überreden versuchte, doch einfach ein sparsames Modell zu nehmen (ziemlich winzige Autos, ich bräuchte davon zwei, für jeden Fuß einen). Dann fragte ich, nachdem die Werbung nicht abriss (und immer inhaltsleerer wurde), Angebote aber nicht kamen, doch noch einmal beim „Kundenservice“ nach. Der wusste nicht, ob Mercedes so ein Auto baut und verwies mich an den Handel. Der Händler – der sehr nett war – meinte, er müsse sich mal bei Mercedes erkundigen, ob man so ein Auto im Programm habe (ich könne aber ein sparsames Modell kaufen, das allerdings sehr klein wäre – vielleicht zwei, für jeden Fuß eines?). Er erkundigte. Und teilte mir mit: So ein Auto habe Mercedes nicht – ein Auto in der Größe eines Passat mit 6 Liter Verbrauch und der Möglichkeit, statt versauerter Dinosaurier nachwachsenden Kraftstoff zu tanken.
Schade. Aber seit kurzer Zeit erhalte ich ja Werbung von BMW. Silbrig glänzen die Prospekte und das Blech. Informationen sind rar, immerhin gibt es Autos, die „ab 7 Liter verbrauchen“. Also frage ich nach – und erhalte erstaunlich schnell vom Kundenservice (von einem Herrn „Info Service“, es mag auch eine Dame gewesen sein, man gibt sich da unpersönlich) die Auskunft, „so ein Auto stellt BMW nicht her“. Weil man leider (das „leider“ stammt von mir und interpretiert nur den Tonfall der Mail) Russfilter für Diesel anbieten müsse, könne man keine Motoren für fossile Brennstoffe herstellen (ich nehme an, das war ein „freud’scher Fehler“, gemeint war wohl, man könne keine Motoren für nicht-fossile Brennstoffe herstellen).
Schade. Dabei bieten viele deutsche Firmen ihre Zusammenarbeit zum Umrüsten auf nachwachsende Rohstoffe den Autoherstellern seit Jahren an, teilweise seit über 30 Jahren. Die Technik ist ausgereift, auf den Erkenntnissen des Erfinders vom „Elsbeth-Motor“ basieren noch heute die meisten Dieselmotoren, allerdings eben für Erdöl … ein Schuft, wer glaubt, dahinter stünden Lobbyinteressen!

Warum, so frage ich mich, schaffen es Autohersteller in anderen Ländern eigentlich, die Marktentwicklung zu begleiten, sogar auf internationalen Automobilmessen Serienfahrzeuge vorzustellen, die mit Salatöl betankt werden können (oder mit anderen „sauberen“ Treibstoffen), warum nölen deutsche Autohersteller, wenn alle anderen Russfilter längst eingebaut haben und der Absatz der deutschen Marken (ohne solche Filter) drastisch sinkt? Was soll das? War da nicht mal die Rede von „Deutscher Innovationskraft“, von „Deutscher Qualität“ und davon, dass Deutschland Spitzenreiter beim Umweltschutz sei?
Ich will mich hier nicht als Ökulti darstellen, schon dass wir in der Familie zwei Autos haben (und sie zu brauchen glauben, meine Frau und ich sind selbständig und wir leben auf dem plattesten Land) ist mir peinlich genug. Vergiss also den „Öko-Anspruch“, die Erdölreserven sind weder unbegrenzt noch unbegrenzt bezahlbar. Und wenn ich die Wahl habe, ob ich Erdöl verbrenne, um mir im Winter den Bauch zu wärmen – oder Erdöl verbrenne, um im Auto durch die Gegend zu fahren, ziehe ich erstmal die Heizung vor. Obwohl ich da auch dringend etwas ändern muss …


 
 
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