| von malbrecht am 06.03.2007 11:43 (1675 Aufrufe)
| Als ich Anfang 2006 die großen Automobilhersteller in Deutschland anschrieb (hier schrieb ich darüber) und um ein Angebot für ein spritsparendes, familientaugliches Auto, das alternative Kraftstoffe nutzen kann, bat, erhielt ich erstaunliche Antworten. Ein großer bayerischer Konzern mit drei Buchstaben im Firmennamen meinte sinngemäß „unsere Kunden verlangen nach starken Motoren und hoher Leistung, wir sind daher an irgendwelchen Experimenten zum Umweltschutz nicht interessiert“. Ein anderer, auch in der Rüstungsindustrie tätiger Konzern mit drei Zacken in der Krone verwies mich an seine Händler, weil der Konzern selbst nicht genau wusste, was für Autos er baut. Der Händler, der mich daraufhin anrief, verwies mich an den Konzern – mit der Bemerkung, er werde seit Jahren gefragt, ob „sein“ Hersteller denn nun endlich alternative Kraftstoffe unterstütze, dass sein Herrchen aber daran nicht interessiert sei und „spritsparend“ nicht für marketingträchtig halte. Der Konzern mit dem volksnahen Namen versprach, mit einem weltweiten Spritproduzenten zusammen „ganz neue Wege“ zu beschreiten, man habe aber derzeit nichts für mich im Programm. Das ist der gleiche Hersteller, der vor wenigen Jahren an Kunden Diesel-Autos mit dem Versprechen verkaufte, sie könnten einen Partikelfilter problemlos nachrüsten und heute gesteht, dass das nicht wahr ist, sie sollten doch einfach ein neues Auto kaufen. Andere Hersteller reagierten gar nicht – oder wie ein japanischer mit der Bitte, sich die bereits auf dem Markt befindlichen Möglichkeiten genauer anzusehen (was nicht wirklich ein konkretes Angebot ist).
Gestern brachte der Norddeutsche Rundfunk ein Interview mit einem Marketingspezialisten, der begründete, warum deutsche Autohersteller nach wie vor auf PS statt auf „Nachhaltigkeit“ setzen. Ich habe daraufhin eine Email an die Redaktion geschickt und erhielt heute morgen einen interessierten Anruf eines Redakteurs, man wollte meine Erlebnisse zusammen mit denen anderer Hörer gerne zu einem kritischen Beitrag verarbeiten – ob ich mit einem Interview einverstanden wäre. Kurz darauf musste der Redakteur die Aktion jedoch abblasen, weil er in der Konferenz „Gegenwind“ erhalten hatte. Wenn man heute (also ein Jahr nach meinen Erlebnissen) einen deutschen Autohersteller fragte, würde dieser doch ganz anders reagieren. Ich erwähnte, dass es nicht nur um die Mode-Diskussion „Feinstaub“ ginge, nicht nur um „Spritsparen“, weil das in der Boulevardpresse gerade „hip“ ist sondern dass z.B. seit den Erdgasbohrungen (Erdgas ist ein fossiler Brennstoff) in Niedersachsen tektonische Störungen verzeichnet werden (dieses Bundesland galt bislang als tektonisch stabil, daher sollen hier die Atommüll-Endlager hin – es ist jedoch nachweislich seit den Erdgasförderungen eben nicht mehr stabil), dass „Spritsparen“ seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts aktuell sei und immerhin der oben erwähnte Nobelkarossen-Händler „seit Jahren“ solche Anfragen erhalte. „Ja“, sagte der NDR-Mann. „Aber wir dürfen leider nicht allzu kritisch sein.“
Ein Kommentar fällt mir dazu nicht mehr ein.
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