| Schreiben : Der Hund vom Falkenrott ... Rohfassung fertig von malbrecht am 15.08.2007 13:24 (2056 Aufrufe)
| Ende Mai 2006 fragte mich der Leiter des Museums im Zeughaus zu Vechta, Axel Fahl-Dräger, ob ich Lust hätte, einen Roman über den Rittmeister Sprengepiel zu schreiben. Über wen? Sprengepiel war ein Soldat, der zum Ende des Dreißigjährigen Krieges rund um Vechta sein „Unwesen“ trieb, Dörfer überfiel und sich wohl reichlich daneben benahm. Nicht ganz unüblich zur damaligen Zeit wurde er nach seinem Tod angeblich in einen schwarzen Hund verwandelt, der noch viele Jahre später die Stadt heimsuchte und Soldaten zur Wachsamkeit ermahnte. Ich wollte ohnehin den Schritt ins „historische Genre“ wagen, also habe ich waghalsig „Ja, klar“ gesagt und versucht, mich in die Materie einzuarbeiten. Hätte ich gewusst, wie viel Arbeit das bedeutete, ich hätte mir ein (deutlich) einfacheres Werk als „Erstling“ vorgenommen. Offen gestanden war ich erst einmal erschlagen. Nicht nur, dass sich Historiker offenbar selten einigen können, was denn nun „richtig“ ist: Nur wenige stehen dazu, vieles eben einfach nicht genau zu wissen. Aus allen Vermutungen und Behauptungen so etwas wie eine „Story“ herauszuschälen war ein Brachialakt. Für mich schien bald klar, dass das simple „Böser-Mann-schwarzer-Hund“-Bild weder für einen (nicht-Fantasy-)Roman taugte noch der Person des Sprengepiel gerecht werden konnte. Während die Kirche ihn ausdrücklich lobte (Einträge in Kirchenbüchern) sind bei allen Beschwerden über seine Umtriebe eben seine „Missetaten“ doch geradezu zivil verglichen mit dem, was man über jene Zeit sonst so liest. Sprengepiel schien mir mehr und mehr ein Familienmensch zu sein, der für die Seinen alles zu tun bereit war und andererseits daran verzweifelte, vom Kaiser bei allen Beförderungen übergangen zu werden. Er hat es militärisch nicht weit gebracht, anders als viele andere (offenkundig im Feld weniger erfolgreiche), aber er muss Geld wie sonst wenige besessen haben (immerhin betrieb er nach Kriegsende noch eine gut aufgestellte Kompanie). Bei den Burgmannen wurde er nicht aufgenommen, weil ihm der adelige Stammbaum fehlte, das Militär schien ihm gerne die unangenehmen Jobs zu geben, ihn dafür aber nicht zu belobigen. Und was tat seine Familie, als er eines Tages verschwand? Genau 10 Jahre später brach sie Hals über Kopf die Zelte in Vechta ab und verschwand „in der Geschichte“. Das passte doch irgendwie zusammen.
Nun habe ich endlich die Rohfassung fertig. Zum Teil überarbeitet, von vormals rund 1,1 Millionen Zeichen auf gute 800.000 runtergekürzt. Auf geht’s, mal schauen, was das Lektorat dazu sagt …
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